Es fing an mit einem Buch, es folgte ein Film mit Star-Besetzung. Mit wachsendem Interesse wurde das Buch in Frankreich zum Bestseller. Nun erscheint «Die Gewerkschafterin» auf Deutsch - der Atom-Thriller, der eine schier unglaubliche, wahre Geschichte erzählt.
Foto: © Clara Stoll
Die IG Metall Jugend Leipzig hatte ins Luru-Kino eingeladen. Zunächst wurde der Film zum Buch mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle gezeigt. Im Anschluss lauschten die Zuschauer:innen im voll besetzten Kinosaal dem Filmgespräch mit der Gewerkschafterin Maureen Kearney, gegen die man gezielt sexualisierte Gewalt als Waffe einsetzte, um sie zum Schweigen zu bringen, zu traumatisieren, sie psychisch zu zerstören. Und mit der mutigen Investigativ-Reporterin Caroline Michel-Aguirre, die den Staatsskandal aufgedeckt hat.
Immer wieder wird sie ungläubig gefragt: «Ist das wirklich passiert? Wo, in Putins Russland?» Dieses Entsetzen der Fragenden kann sie bis heute nachempfinden, «gepaart mit einer gewissen Wut. Wie kann es sein, dass in dem Land, in dem ich lebe, diese Ereignisse stattgefunden haben, und sich fast niemand darum gekümmert hat?» Sie hat intensiv für ihr Buch recherchiert, «damit Maureens Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Mir schien, dass wir unsere Menschlichkeit verlieren würden, wenn wir alle gemeinsam weitermachen wie bisher und so tun würden, als wäre nichts geschehen. Dieser Gedanke war für mich unerträglich.»
Natürlich wollte man auch die Journalistin zum Schweigen bringen, sie berichtet von mehreren Begebenheiten, aus denen sehr deutlich wird, dass ihre Aufklärungsarbeit u.a. dem damaligen Chef der Électricité de France (EDF), Henri Proglio, ein Dorn im Auge war. Ein Wendepunkt war die Zusage der Schauspiel-Ikone Isabelle Huppert, die Hauptrolle in der Verfilmung des Reality-Thrillers zu übernehmen. Schlagartig wurden diejenigen, die Michel-Aguirre unter Druck setzen wollten, still. Dieses Schaulaufen konnten sie nicht gewinnen.
In diesem Moment wurde vielen Zuhörenden in Leipzig klar, welche Signalwirkung das internationale Interesse an Maureen Kearneys Geschichte in Frankreich hat, wo noch immer ein «ohrenbetäubendes Schweigen der wichtigsten Akteure dieser Geschichte» herrscht, so die Journalistin. «Kein einziger Politiker hat mich jemals kontaktiert, seitdem das Buch erschienen ist. Kein hochrangiger Mitarbeiter von Areva oder EDF. Weder Polizisten noch Richter. Kein Parlamentarier*, der einen Untersuchungsausschuss eröffnet hätte. Kein Staatsanwalt, der sich mit dem Fall befassen würde.»
Vor dem Luru-Kino, v.l.: Eva Stegen, Caroline Michel-Aguirre, Clara Stoll, Maureen Kearney, Christoph Schottes Foto: © IG Metall Leipzig